Allgemein · Rassevorstellung

[Rassevorstellung] Dalmatiner

Es ist Zeit für eine neue Rassevorstellung! 🙂

Ich muss sagen auf die Rasse habe ich mich am meisten gefreut! Noch bevor die Möpse eingezogen sind, habe ich nämlich eine außergewöhnliche Dalmatinerzucht entdeckt, die mein Interesse an der Rasse enorm geweckt hat. Die liebe Madlen von der Exotic Spots Dalmatinerzucht war auch bereit uns die ein oder andere Frage zu der Rasse zu beantworten. Wenn ihr mehr ins Detail gehen wollt oder noch mehr Fragen habt, dann schaut gerne auf ihrer Züchterseite oder auf ihrem Instagramkanal vorbei! Vorneweg möchte ich auch nochmal betonen, dass mir alle Bilder von Madlen zur Verfügung gestellt wurden. Riesen Dankeschön nochmal an dich und deine Mühe!! Ohne dich wäre der Beitrag nicht möglich gewesen! ❤

Ich verbinde Dalmatiner mit unfassbar viel Eleganz und voller Power und natürlich habe auch ich als Kind 101 Dalmatiner auch mindestens 101x gesehen! Zeitweise habe ich meine Eltern genervt, dass ich unbedingt einen Dalmatiner haben möchte. Aber was steckt eigentlich hinter der Rasse und ihrem Charakter?

Geschichte der Dalmatiner

Die Bezeichnung „Dalmatiner“ taucht übrigens erstmals in „History of Quadrupeds“ von Thomas Bewick aus dem Jahre 1771 auf. Der genaue Ursprung ist aber leider unbekannt. Allerdings weisen Abbildungen im Pharaonengrab von Pharao Antef darauf hin, dass die Vorfahren von ihnen bereits 2000 Jahren vor Christi gelebt habe.

Die Heimat der Dalmatiner wird allerdings in Kroatien angegeben. Bereits im 14. Jhd berichten Reiseschriftsteller von gepunkteten Hunden.

In Frankreich und England waren Dalmatiner beliebte Kutschenbegleithunde. Mit ihrer Ausdauer und ihrem guten Wachinstinkt waren sie prädestiniert für die Aufgabe. Sie liefen neben oder unter der Kutsche her und bewachten Pferde, Güter und Kutsche in der Nacht und hielten streunende Tiere ab.

Immer wieder tauchen Dalmatiner in der Geschichte auf. Viele berühmte Persönlichkeiten verliebten sich in die Rasse und in den Charakter. Darunter zählen Pablo Picasso, George Washington und Prinzessin Beatrix der Niederlanden.

Der Charakter & die Gesundheit

Wer kann mehr über den Charakter der Dalmatiner erzählen als eine Züchterin und Liebhaberin.

Dalmatiner sind für mich echte Allrounder. Mann kann sehr viel mit ihnen machen, muss es aber nicht zwangsläufig!
Sie lieben ausgedehnte Ausflüge genauso sehr wie einen Extreme Couching Tag mit ihren Menschen.

Dabei sein ist alles! Dalmatiner sind sehr menschenbezogen und begleiten ihre Familie gerne überall hin.

Allerdings sind viele Vertreter der Rasse gegenüber Fremden eher zurückhaltend und skeptisch. Auch wenn sie sehr bekannt und ein echter Hingucker sind sollte man sie nie ungefragt anfassen, das könnte unangenehm werden.
Viele Dalmatiner zeigen im Haus und auf dem Grundstück einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Wach- und Schutztrieb, dies sollte berücksichtigt werden. Zum Kläffen neigen sie eher nicht, die Veranlagung zum Anschlagen kann jedoch individuell sehr unterschiedlich sein.

Prinz/essin auf der Erbse! Möglichst weich und komfortabel mag es ein Dalmatiner, am liebsten auch mit Kopfablage. Für einen Dalmatiner kann man nie genug flauschige Decken und Kissen haben.

Auch im Hinterkopf behalten sollte man, dass Dalmatiner auch Jagdtrieb haben können. Von völligem Desinteresse bis hin zu hochambitionierten Jägern ist alles dabei. Die meisten liegen jedoch eher im Mittelfeld.

Dalmatiner können „rassistisch“ sein. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass sie sich mit anderen Dalmatinern meist am besten verstehen. Vermutlich, weil sie ähnliche Macken und Flausen im Kopf haben 🙂

Madlen, erzähl doch mal. Wer bist du und wer lebt in eurem Haushalt?

Ich bin 31 Jahre alt und verheiratet. Seit über 11 Jahren gehören Dalmatiner zu unserem gemeinsamen Leben. Aktuell besteht unser getupftes Trio aus Lina (weiß/braun, kurzhaarig, 11 Jahre alt), Jolie (weiß/lemon, kurzhaarig, 6,5 Jahre alt) und Connor (weiß/schwarz, langhaarig, 5,5 Jahre alt). Lina ist ein bayerisches Mädel während Jolie aus Frankreich stammt. Connor ist ein US Import und der erste offizielle Langhaardalmatiner in Deutschland. Er hat damals die Züchterszene gewaltig aufgemischt und für viel Furore gesorgt. Aus Sicht vieler Züchter war es schließlich skandalös zu erwägen, einen langhaarigen Dalmatiner in die Zucht zu nehmen.

Wie bist du auf den Dalmatiner gekommen?

Zugegebenermaßen wurde ich als Kind dahingehend eindeutig von Disney beeinflusst, „101 Dalmatiner“ lief bei uns zeitweise täglich. Aber auch später blieb diese Rasse immer in meinem Kopf und war mein ungeschlagener Favorit. Mit verschiedenen Rassen habe ich mich auch als Kind schon eingehend beschäftigt und wusste daher genau, dass es tatsächlich ein Dalmatiner werden soll sobald es passt.
Auch heute noch bin ich ganz aufgeregt, wenn ich zufällig irgendwo einen fremden Dalmatiner sehe. Die Rasse lässt mich einfach nicht mehr los.
Nachdem dann der erste Dalmatiner bei uns einzog war ich restlos überzeugt und vom „Fleckenfieber“ infiziert.

Was macht für dich den Charakter des Dalmatiners am meisten aus?

Eindeutig ihre enge Bindung und das Vertrauen zu ihrer Familie sowie ihre unbändige Freude, die sie gerne über richtiges Grinsen oder auch „Freudenlieder“ ausdrücken. Auch ihre enorme Anpassungsfähigkeit finde ich beeindruckend.

Was fordert bei der Erziehung eines Dalmatiners am meisten?

 Im Großen und Ganzen empfinde ich Dalmatiner als nicht besonders anspruchsvoll in der Erziehung. Allerdings habe ich ehrlich gesagt auch keine großen Vergleiche zu anderen Rassen.
Manche sind äußerst sensibel, andere können stur wie ein Bock sein. In jedem Fall heißt es Ruhe bewahren und den längeren Atem zeigen. Der Hund benötigt deutliche Signale, für Nachlässigkeit gibt es schnell die Quittung.
Ich finde, dass die Rüden oft leichtführiger sind als Hündinnen.
Lina hinterfragt auch nach fast 11 Jahren gerne nochmal, ob das Kommando von gestern, vorgestern und von vor 5 Jahren heute immer noch gilt, Jolie zum Glück weniger. Connor ist ein Musterschüler, den man nur in seltenen Fällen ermahnen muss. Er war am leichtesten zu erziehen und stellt Anweisungen nicht andauernd in Frage.

Würdest du den Dalmatiner auch Anfängern empfehlen? Für wen ist der Dalmatiner die perfekte Rasse?

Nicht uneingeschränkt, prinzipiell aber ja. Es gibt viele Züchter, die sagen, der Dalmatiner wäre absolut kein Anfängerhund. Das hört man jedoch über ganz viele Rassen, aber woher soll dann die Hundeerfahrung kommen?
Ob sich ein Dalmatiner für Ersthundehalter eignet ist aus meiner Sicht eher eine Einstellungssache der Interessenten und auch vom Grundcharakter des Welpen abhängig. Manche Welpen sind definitiv besser in schon erfahrenen Händen aufgehoben, aber das ist immer eine Einzelfallentscheidung.
Ich habe bisher aus jedem Wurf auch Welpen an Ersthundehalter abgegeben und bis auf eine Ausnahme hat es überall funktioniert. Natürlich tauchen immer mal Probleme auf, die die Leute frustrieren oder zweifeln lassen, aber in der Regel findet man gemeinsam Lösungen und später kann man darüber lachen. Aber diese Momente und Phasen gibt es ebenso bei den erfahrenen Haltern!

Was empfiehlst du jedem deiner Welpenkäufer?

Ich empfehle jedem meiner Welpenkäufer kritisch zu sein und nicht alles einfach hinzunehmen, vor allem in Bezug auf Tierärzte und Züchter, aber auch was manche Trainingsmethoden angeht. Sie sollen sich nicht von anderen verunsichern, gar Angst machen oder ein schlechtes Gewissen einreden lassen. Ich bin für jeden meiner Käufer da so gut ich kann und stehe beratend zur Seite.

Wie kamst du dazu zu züchten?

Nachdem damals der erste Dalmatiner eingezogen war hat es nicht lange gedauert bis ich vollends von der Rasse überzeugt war. Dann kam auch tatsächlich schon der Wunsch auf die Rasse aktiv durch eine eigene Zucht mitzugestalten. Zudem wollte ich auch einen anderen Weg in der Zucht gehen. Ich wollte das größte Augenmerk auf Gesundheit und Wesen legen, Showtitel haben und hatten für mich keine Bedeutung.
Außerdem hatte ich kurz vor Lina’s Einzug damals von weiteren Varianten wie Lemon erfahren und war einfach begeistert. Die Negativität, die den Varianten, welche Bestandteil der Rasse sind, jedoch laut Standard unerwünscht, entgegen gebracht wurde konnte ich nicht verstehen. Somit begann mein Einstieg in die Farbgenetik und der Wunsch den Dalmatiner in seiner ganzen Vielfalt zu erhalten kam auf. Meine 3 größten Zuchtziele sind: Gesundheit, Wesen und Vielfalt.
Offenheit und Ehrlichkeit haben mir bei den meisten Züchtern auch gefehlt, insbesondere im Umgang mit Krankheiten oder Problemen in der Zucht. Ich wollte nicht, dass die Menschen aus allen Wolken fallen wenn etwas nicht perfekt verlief, weil einem so oft nach außen hin der Eindruck vermittelt wird, dass alles prima ist.

Deine Dalmatiner sind ja wirklich besonders. Connor ist ja ein Langhaar-Dalmatiner und Jolie ist ein Lemon-Dalmatiner. Ich kann mir vorstellen, dass du für deine Würfe besonders viele Anfragen bekommst? Merkst du, dass ausgefallene Farben besonders gefragt sind?

Ja, Lemon und Langhaar sind inzwischen tatsächlich überaus gefragt, ein regelrechter Boom ist entstanden. Ich bekomme viele Anfragen für beide Varianten. Oft wird jedoch einfach davon ausgegangen, dass diese Varianten fallen, wenn ein Elternteil optisch selbst so aussieht. Deshalb bekam ich auch beim G-Wurf, bei dem Jolie und Connor die Eltern waren für beide Varianten Anfragen, obwohl vorab klar war, dass keins von beidem fallen wird.
Vielen Menschen ist auch nicht bewusst, dass diese Varianten selten und nicht immer ohne Weiteres zu bekommen sind, da seriöse Züchter sie nicht in großen Mengen „produzieren“. Wer einen Lemon oder Langhaar möchte muss ggf. eine lange Wartezeit einplanen und/oder sich weltweit umschauen und ggf. einen Import erwägen.

Auch wenn ich ein großer Fan und Befürworter von Lemon, Tricolor und Langhaar bin, beobachte ich die derzeitige Entwicklung mit sehr gemischten Gefühlen.
Auf der einen Seite freue ich mich sehr, dass diese Varianten immer bekannter und „gesellschaftsfähiger“ werden, andererseits blüht dadurch auch die teilweise unseriöse Zucht. Gerade in Bezug auf Langhaar habe ich im Ausland das Gefühl, dass niemand mehr an die Zukunft denkt und einfach nur jeder möglichst viele langhaarige Welpen produzieren will, weil sie so gefragt sind. Auch gesundheitliche Untersuchungen fehlen oft ganz. Kaum jemand bemüht sich um die Verbreitung des Gens und damit die Erweiterung der Linien. Das finde ich sehr schade und ich befürchte, dass damit Langhaar bald am Ende ist oder in immer mehr Inzucht resultiert.
Aber auch auf der Seite der Interessenten sieht es nicht besser aus. Der überwiegende Teil sucht einzig und allein nach dem optischen Merkmal und interessiert sich für sonst gar nichts, höchstens noch für den Preis und wie schnell man das Wunschobjekt haben kann. Aber zum Glück gibt es natürlich auch Menschen, die sich wirklich viel Mühe geben und bei denen man merkt, dass sie es ernst meinen und sich viele Gedanken gemacht haben.

Wie in jeder Rasse gibt es bei Dalmatinern ja auch gewisse Krankheiten, die öfter vertreten sind? Ganz vorurteilsbehaftet fällt mir direkt Taubheit und Allergien ein. Kannst du mal erklären was es damit auf sich hat und worauf ich bei Züchtern achten muss, wenn ich mich für einen Dalmatiner interessiere?

Interessanterweise denken sehr viele Menschen bei Taubheit nur an den Dalmatiner. Dabei kommt erbliche Taubheit auch noch bei rund 70 anderen Hunde- und Katzenrassen vor, ebenso bei Kaninchen und Pferden.
Tatsächlich ist das aber natürlich ein Thema und ein wichtiger Punkt in der Zucht. In Deutschland sind (von seriösen Züchtern) ca. 6-7% der Welpen einseitig hörend und ca. 1,5% sind ganz taub. Blauäugige Welpen haben, im Gegensatz zu den braunäugigen Geschwistern, ein dreimal höheres Risiko für einseitige und beidseitige Taubheit (dies hat meine Auswertung von Zuchtbüchern über einen Zeitraum von 5 Jahren ergeben).
Allergien sind leider sehr verbreitet in der Rasse, egal ob Futterunverträglichkeiten oder Umweltallergien. Leider sind auch allergiefreie Eltern kein Garant für allergiefreien Nachwuchs.

Die eigentlich größte Erkrankung ist jedoch die Hyperurikosurie (HUU), die bis vor wenigen Jahrzehnten die gesamte Rasse betroffen hat. Bei der HUU kann die Harnsäure nicht in ausreichendem Maße zum gut löslichen Endprodukt Allantoin abgebaut werden. In einer gesättigten Lösung können durch die Harnsäure Kristalle entstehen, welche sich mit der Zeit auch zu Steinen zusammenlagern können. So ein Stein kann lange unbemerkt in der Blase liegen. Irgendwann kann er jedoch in die Harnröhre rutschen und diese damit blockieren, was den Urinabsatz unmöglich macht. Dies stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar und erfordert sofortiges Handeln!
Rüden haben ein etwas höheres Risiko aufgrund ihrer Anatomie (sie haben einen Penisknochen und dadurch bedingt eine Engstelle in der Harnröhe.
Im Jahr 1973 wurde in den USA eine Einkreuzung mit einem Pointerrüden gemacht um die HUU zu bekämpfen. Die daraus entstandenen Hunde werden heute LUA Dalmatiner genannt. LUA steht für Low Uric Acid, einen normalen Harnsäurespiegel. Mit diesen Hunden soll nach und nach die HUU aus der Rasse herausgezüchtet werden. Die HUU führt aber nicht grundsätzlich immer zu Problemen.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Erkrankungen, die beim Dalmatiner vorkommen können. Dazu zählt HD (sehr selten), ED und OCD (bisher auch noch selten), Spondylose, DCM (eine erbliche Herzerkrankung), Kupferspeicherkrankheit, Epilepsie und Schilddrüsenprobleme. Ebenso gibt es einige Linien mit Zwergenwuchs.

Ich rate dazu auf jeden Fall nur von einem Züchter zu kaufen, der im Verein und somit mit Stammbaum züchtet. Hierüber lassen sich die Ahnen zurückverfolgen und der Verwandtschaftsgrad der Eltern ermitteln. Zudem können Informationen über Erkrankungen oder auch die Langlebigkeit in Erfahrung gebracht werden.
Es sollte darauf geachtet werden, dass sowohl die Eltern, als auch die Welpen audiometrisch (also auf ihr Gehör) getestet wurden. So weiß man vor dem Kauf woran man ist und kann sich auf eventuelle Besonderheiten einstellen oder doch einen anderen Welpen wählen.
Ebenso sollten die Eltern natürlich die Mindestuntersuchungen vorweisen können. Alle Originaldokumente sollten auf Nachfrage vorgezeigt werden können. Wenn das nicht geht sollte man skeptisch sein.
Wenn ihr keinen guten Eindruck von einem Züchter habt oder sich ein komisches Gefühl breit macht, dann lasst lieber die Finger davon! Ein gutes Gefühl und eine gute Verbindung sind das A und O.
Lasst euch auch die erwachsenen Hunde zeigen, insbesondere die Mutter! Entspricht sie euren Vorstellungen?

Gibt es etwas das du den Lesern noch unbedingt mit auf den Weg geben möchtest?

Bleibt neugierig und fragt viel!
Fragt vor allem nach den Untersuchungen der Eltern, die Gesundheit sollte das Wichtigste überhaupt sein! Fragt ruhig auch welche Erkrankungen oder Probleme bisher bei der Nachzucht aufgetreten sind, das sollte kein Geheimnis sein. Fragt nach dem genauen Wesen der Hunde (wie sind sie in dieser und jener Situation).
Hakt nach wenn euch etwas komisch vorkommt!

Wenn ihr noch mehr zum Dalmatiner erfahren wollt und uns vielleicht sogar unterstützen möchtet schaut euch doch gerne mal die Homepage unseres Vereins an: https://www.pro-dalmatian.de/

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